The Tank Man

Zum 20. mal jährt sich heute das Massakers am Tian’anmen-Platz (天安門廣場 / 天安门广场 (Tiān’ānmén Guǎngchǎng)) vor dem Tor des himmlischen Friedens (天安門 / 天安门, Tiān’ānmén) in Peking (北京 (Běijīng)). Als das chinesische Militär gewaltsam die Studentenproteste beendete, welche sich gegen die herrschende Kommunistische Partei richteten und Demokratie und Pressefreiheit forderten.
Heute läuft die chinesische Zensur auf Hochtouren. Um jegliches Gedenken der Opfer und die bloße Erinnerung an die Ereignisse zu unterbinden. Um so wichtiger ist es, dass sich der Rest der Welt daran erinnert, was am 4. Juni 1989 passiert ist.
Damals gingen die Bilder eines einzelnen Mannes, welcher gewaltlos eine Kolonne von Panzern zum Stehen brachte um die Welt. Doch niemand weiß, wer dieser Mann eigentlich war und was aus ihm geworden ist. Trotzdem sollten wir ihn nie vergessen. Die englische Dokumentation The Tank Man befasst sich eingehend mit den Geschehnissen vor 20 Jahren, ihren Auswirkungen und dem dem Mythos des “Tank Man”.
Zwar wirkt die Volksrepublik China (中華人民共和國 / 中华人民共和国 (Zhōnghuá Rénmín Gònghéguó)) heute totalitärer und kontrollierter als jemals zu vor. Doch sind dies die Zeichen dafür, dass die Regierung seit dem 4. Juni 1989 ganz genau weiß, wie wackelig ihr Stuhl eigentlich ist.

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Kommentare (4)

Björnam 13.06.09 um 13:25

“Zwar wirkt die Volksrepublik China (中華人民共和國 / 中华人民共和国 (Zhōnghuá Rénmín Gònghéguó)) heute totalitärer und kontrollierter als jemals zu vor.”

Bitte? Glaubst du das ernsthaft?

Selbst die härtesten Chinakritiker - jedenfalls solche, die das Land aus eigener Anschauung kennen - werden dir bestätigen, dass die Kontrolle der KP über das private Leben der Chinesen in den letzten paar Jahren massiv zurückgegangen ist und der Grad der persönlichen Freiheit stark zugenommen hat.

Achso: Und besten Dank auch für die chinesischen Schriftzeichen, sonst hätte ich gar nicht gewusst, von welcher der vielen chinesischen Volksrepubliken jetzt eigentlich die Rede ist…

Marcam 13.06.09 um 19:19

Selbst die härtesten Chinakritiker - jedenfalls solche, die das Land aus eigener Anschauung kennen - werden dir bestätigen, dass die Kontrolle der KP über das private Leben der Chinesen in den letzten paar Jahren massiv zurückgegangen ist und der Grad der persönlichen Freiheit stark zugenommen hat.

Klar. Deswegen gibt es ab dem 1. Juni in China auch nur noch Computer, welcher mit der regierungseigenen Filtersoftware ausgestattet sind, zu kaufen. Sind jeden Tag schätzungsweise 40.000 - 60.000 Beamte dabei das Internet zu zensieren. Und Erfolg (egal ob wirtschaftlich, sportlich oder künstlerisch) hat nur derjenige, der es versteht sich mit dem herrschenden Regime zu arrangieren.
Nur, weil nach Mao keine Intellektuellen mehr als Feinde des Volkes hingerichtet werden und die Zensur und Staatssicherheit mittlerweile subtiler vorgehen heißt das noch lange nicht, dass die Menschen wirklich mehr Freiheiten haben. Ganz im Gegenteil bietet das digitale Zeitalter elektronische Überwachung und Filterung von Informationen in einem bis dahin unbekannten Ausmaß. Das ist bei uns so. Und das ist auch in China so. Nur, dass es da bereits im ganz großen Stil angewandt wird.
Früher hätten die chinesischen Beamten diesen CNN Reporter wahrscheinlich festgesetzt und des Landes verwiesen. Heute hat man den Geschickten Einsatz von Regenschirmen gelernt. Oh, welch wunderbare Freiheit…

Achso: Und besten Dank auch für die chinesischen Schriftzeichen, sonst hätte ich gar nicht gewusst, von welcher der vielen chinesischen Volksrepubliken jetzt eigentlich die Rede ist…

Gern geschehen. Es soll ja tatsächlich Leute (besonders in der Volksrepublik China) geben, die den Unterschied zwischen der Volksrepublik und der immer noch existenten demokratischen Republik China (中華民國 / 中华民国, Zhōnghuá Mínguó) nicht kennen oder nicht wahr haben wollen.

Björnam 14.06.09 um 18:00

“Nur, weil nach Mao keine Intellektuellen mehr als Feinde des Volkes hingerichtet werden und die Zensur und Staatssicherheit mittlerweile subtiler vorgehen heißt das noch lange nicht, dass die Menschen wirklich mehr Freiheiten haben.”

Aber hallo! Ich würde sagen, nicht mehr willkürlich hingerichtet zu werden, ist ein ungeheurer Gewinn an Freiheit. Und darin erschöpfen sich die Fortschritte keineswegs: Chinesen können heute reisen, ihren Beruf frei wählen, nach persönlichem Reichtum streben, ohne Aufseher im Ausland studieren usw. Für wirtschaftlichen Erfolg muss man sich auch nur sehr begrenzt mit dem System arrangieren (in der Kunst sieht es sicher anders aus, aber auch dort gibt es ein Mehr an Freiheit). Und dieses System kommt auch nicht mehr so monolithisch daher wie vor ein paar Jahrzehnten, längst gibt es unterschiedliche Denkschulen und - so lange nicht bestimmte Tabus wie etwa das Massaker von 89 berührt werden - auch Meinungsfreiheit. Du hast natürlich völlig recht, dass der Staat versucht, das Internet zu kontrollieren. Das Problem ist nur: Es klappt kaum, es wird auch nie gelingen. Die Chinesen gehören heute schon zu den eifrigsten Internetnutzern der Welt und sie bloggen in einem Ausmaß, dass man - überspitzt gesagt - nochmal 1,3 Milliarden Menschen bräuchte, um das unter Kontrolle zu bringen. Man muss ja nicht in grenzenlosen Optimismus verfallen, aber klar ist - und da lege ich dir ans Herz, dich besser zu informieren -, dass China heute auf keinen Fall totalitärer ist als 1989 und schon gar nicht “als jemals zuvor”. Das stimmt einfach nicht.

“Früher hätten die chinesischen Beamten diesen CNN Reporter wahrscheinlich festgesetzt und des Landes verwiesen. Heute hat man den Geschickten Einsatz von Regenschirmen gelernt. Oh, welch wunderbare Freiheit…”

Äh, von wunderbarer Freiheit war ja nicht die Rede. Sondern eben davon, dass es heute keinesfalls totalitärer zugeht - was du mit deinem Beispiel ja selbst beweist.

Björnam 14.06.09 um 18:03

PS. Habe gesehen, dass du hier sehr gerne Helmut Schmidt zitierst. Vielleicht magst du dir mal dieses Buch von ihm anschauen und dann nochmal über deine Sicht auf China nachdenken:

http://www.amazon.de/Nachbar-China-Helmut-Schmidt/dp/354836974X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1244995377&sr=8-1

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