Einträge mit dem Tag: selbstmord

Leben

“Der Mensch schuldet nicht seinen Mitmenschen, dass er am Leben bleibt.”

– Otfried Höffe (Zur Ethik des Atomzeitalters: Neun Thesen)

Der Tod als letztes Tabu im TV

Nach der in England ausgestrahlten Dokumentation über das Sterben von Craig Ewert ist in Großbritannien eine hitzige Debatte zur Sterbehilfe entbrannt. Ein Thema, welches auch immer wieder in Deutschland heftig debattiert wird. Zuerst einmal zu meiner persönlichen Meinung zum Thema Sterbehilfe.

Persönlich betrachte ich die Sache pragmatisch und stehe damit definitiv auf der Seite der Sterbehilfe-Befürworter. Zwar betrachte ich den Selbstmord eines gesunden Menschen als Flucht vor dem Leben und seiner Probleme. Und halte eine Solche Flucht für dämlich. Aber trotzdem spricht in meinen Augen nichts dagegen jemanden den Wunsch des Ablebens zu erfüllen, wenn sich dieser im vollem Besitzt seiner geistigen Kräfte befindet. Schließlich sind sich alle Beteiligten der endgültigen Konsequenz bewusst.
Inbesondere bei schwer kranken Menschen, welche statt Heilung nur noch einen schmerzhaften Tod vor Augen haben halte ich es für inhuman, diesen den letzten Wunsch eines schmerzlosen Todes zu verwähren. Dabei akzeptiere ich es durchaus, wenn ein Arzt aus eigener ethischer Überzeugung gegen die Sterbehilfe ist und diese daher nicht durchführen möchte. Schließlich muss man auch auf die ausführenden Menschen Rücksicht nehmen. Aber das mindeste wäre, dass die Ärzte, welche sich dazu entschließen auf Wunsch des Patienten sein Leben zu beenden, sich dadurch nicht strafbar machen würden. Daher halte ich den Weg der totalen Ablehnung von Sterbehilfe, den unsere Bundesregierung bei diesem Thema einschlägt, leider für falsch.
Es ist erschreckend, welches Tabuthema der Tod und insbesondere der Suizid in unserer ansonsten so aufgeklärten und weltoffenen Gesellschaft darstellt. Ob dies auf der Jahrhunderte andauernde christlichen Indoktrination beruht, welche den Menschen seit jeher einredet, Selbstmord sei eine Sünde oder andere - aufgrund natürliche Urängste gegenüber dem Ableben - Gründe hat, ist heute kaum noch nachvollziehbar.
Problemlos wäre das ganze, wenn jeder für sich und situationsabhängig über das Thema entscheiden könnte. Aber leider ist es - wie so oft - so, dass es Menschen gibt, die der Meinung sind ihre eigene Meinung anderen aufdrängen zu müssen. Was meines Erachtens ein enormer Eingriff in das Persönlichkeitsrecht anderer Menschen ist. Denn niemand außer man selbst hat das ultimative Recht über sein eigenes Leben und dessen Ende zu entscheiden. Und machen wir uns nichts vor: Wer wirklich Selbstmord begehen möchte und nicht nur nach Aufmerksamkeit lechzt, der wird sein Ziel, sofern er körperlich dazu in der Lage ist, auch erreichen. Die Frage ist also, ob es die Gesellschaft zulässt, ob dies einsam im Keller oder unter menschenwürdigen Bedingungen geschehen kann.

Aber nun zurück zum TV. Hat dieses in den letzten Jahren mit einer Menge Tabuthemen gebrochen und sich besonders in den Bereichen Gewalt + Sex enorm gesteigert, so ist der Tod doch immer noch etwas, welches als nicht gesellschaftsfähig angesehen wird. Das hat die aktuelle Debatte in Großbritannien gezeigt. Wobei ich vor allem den Vorwurf der Geschmacklosigkeit dieser Dokumentation nicht nachvollziehen kann. Zum einen wurde niemand gezwungen, sie sich anzuschauen. Zum anderen ist der Tod sicherlich eine der natürlichsten Sachen der Welt. Denn niemand kann ihm entgehen und früher oder später wird jeder das Zeitliche segnen. Dabei muss sich jeder selbst fragen, welche Einstellung zum Tod man persönlich hat. Nur sollte man sich überlegen, dass die Angst davor auch nichts daran ändert.
Was an der TV Ausstrahlung vielleicht wirklich Geschmacklos ist, war die Resonanz. Denn leider habe ich die Befürchtung, dass sich die Mehrheit der Zuschauer die Dokumentation nicht angesehen hat um sich mit dem eigentlichen Thema auseinanderzusetzen, sondern aufgrund der aufbauschenden Debatte, welche im Vorfeld um diese geführt wurde. Getrieben, von einer - wie ich finde verachtungswürdigen - Sensationslust. Die selbe, welche manche Menschen dazu bewegt auf der Autobahn langsamer zu fahren um Unfälle auf der gegenüberliegenden Fahrbahn zu beobachten und so im schlechtesten Fall selbst einen Unfall zu provozieren.
Interessant ist, dass in Großbritannien durch den Broadcasting Code die Darstellung von Selbstmord und Selbstverletzung untersagt ist, solange sie nicht “redaktionell und durch den Kontext gerechtfertigt ist”. Weshalb sich nach Beschwerden inzwischen die britische Rundfunkaufsichtsbehörde Ofcom mit der Dokumentation beschäftigt.
Im Grunde kann man sagen, dass eine solche Einschränkung nichts anderes als Zensur ist. Eine Zensur, welche jedoch nicht nur vom Staat verordnet sondern auch von den Medienunternehmen mit verantwortet wird, welche dies mit dem Wohle des Zuschauers begründen.

Die Kriegsberichterstattung ist hierfür das beste Beispiel. In den Archiven der Sender existieren unzählige Datenträger mit Bildern von Kriegsopfern. Egal von welcher Seite oder ob Zivilisten. Aber sie werden einfach nicht gezeigt. Das geht teilweise so weit, dass sich Reporter gegenüber ihren Vorgesetzten dazu äußern müssen, ob eine verletzte Person zu dem Zeitpunkt der Aufnahme bereits tot war oder erst im Nachhinein gestorben ist. Denn nur im zweiten Fall wäre der Sender bereit, die Bilder auch zu senden. Aber wenn aus der Aufnahme alleine die “tot oder nicht tot”-Frage nicht zu beantworten ist, welche Rolle spielt es dann?
Wahrscheinlich ist es tatsächlich so, dass unsere Gesellschaft solche Bilder nicht sehen möchte. Immerhin würden sie den Menschen zu Hause zeigen, was Krieg wirklich bedeutet. Etwas, was mit jeder neuen Generation weiter in Vergessenheit zu geraten scheint. Manche Leute entwickeln sogar eine Art Begeisterung für den Krieg, ähnlich der zu Beginn des Ersten Weltkriegs in Mitteleuropa. Was leider die Vermutung nahe legt, dass die Menschheit tatsächlich nicht aus den Fehlern ihrer Vergangenheit lernen kann. Bilder von den toten Freunden, Ehemännern und Söhnen, welche man vor wenigen Monaten noch am Bahnhof verabschiedet hat wären einer solchen Begeisterung natürlich nicht förderlich. Statt dessen ist die Allgemeinheit - und die Propaganda sowieso - darauf Bedacht die Auswirkungen von Kriegen zu verdrängen und zu ignorieren. Dabei wäre das Gegenteil wahrscheinlich das beste, was der Menschheit passieren könnte. Denn nur, wenn die Menschen vor Augen geführt bekommen, was Krieg wirklich bedeutet, begreifen sie den Wahnsinn, der damit verbunden ist und haben auch keine Lust mehr auf diesen.

Meines Erachtens hat nicht nur das Fernsehen sondern auch unsere Gesellschaft noch viel Nachholbedarf und muss sich mit dem Thema Tod und auch dem Freitod weiter auseinandersetzen. Denn wie bereits gesagt handelt es sich um eine der natürlichsten Sachen der Welt. Was übrigens auch für Sex gilt. Ebenfalls lange Zeit ein Tabuthema und doch seit Menschengedenken praktiziert. Und genau hierin liegt meine Hoffnung. Es hat zwar lange gedauert, doch inzwischen ist auch dieses Thema größtenteils Gesellschaftsfähig und man kann sich normal damit auseinandersetzen. Bleibt zu hoffe, dass es dem Ableben und der Sterbehilfe irgendwann ähnlich ergeht.

Zu dumm zum Sterben 2.0

Als wäre es nicht schon dumm genug seinem Leben ein Ende setzen wollen, wird dies nur noch durch das Scheitern an dieser Aufgabe übertroffen. Der Ausspruch “zu dumm zum Sterben” ist dementsprechend also wörtlich zu nehmen, wenn man von einer Brücke springt, die nicht hoch genug ist.

Nun möchte man ja meinen, dass man in der Lage ist aus solchen Fehlern zu lernen. Zumindest zu einem Teil mag es sogar so sein, wenn man erkennt, dass der 2. Versuch besser nicht in Verbindung mit einer Brücke sein sollte.
Im Gegensatz dazu jedoch 30 Tabletten Paracetamol zu schlucken kann wieder nur aus äußert dumm angesehen werden. Sollte doch bekannt sein, dass dies max. eine Schädigung der Nieren hervorruft und nicht das ersehnte Ableben. Beim nachfolgenden Versuch sich zu ertränken sollte man ein Gewässer wählen, welches möglichst nicht von einem Moor umgeben ist. Denn nach einem bereits vergeblichen Sprung von der Brücke läuft es sich bekanntlich nicht mehr so gut. Erst recht nicht auf moorigem Untergrund.
Nachdem man sich dann schlamm- und dreckverschmiert wieder nach Hause geschleppt hat sollte man wenigstens wissen, dass man sich besser nicht die Pulsadern am Handgelenk aufschneidet (was im Übrigen bei einem zu tiefen Schnitt die Feinmotorik negativ beeinflusst). Vor allem als möchtegern Krankenhauspfleger sollte man wissen, dass sich da die Halsschlagader viel besser eignet.
Alles in allem würde ich sagen: Immer noch zu dumm zum Sterben…

Selbstmord

“Grampa, killing yourself is a sin. God wants us to die of old age, after years of pain and reduced mobility.”

– Marge Simpson (The Simpsons)