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The Otaku Encyclopedia: An Insider’s Guide to the Subculture of Cool Japan

Patrick W. Galbraith gehört zu den wenigen Menschen, die sich objektiv, intensiv und offen mit dem Phänomen Cool Japan bzw. der japanischen Popkultur und ihrer Ausprägungen wie Anime, Manga, JPop, etc. auseinandersetzt hat.

Das Buch ist genau das, was es sein sollte. Nämlich eine ausführliche (ich war angenehm überrascht wie umfassend) Enzyklopädie von A wie Aho (アホ) über F wie Fan Service (ファンサービス) und M wie Moe (萌え) bis zu Z wie Zettai Ryouiki (絶対領域).
Wie bereits gesagt ist es äußert umfangreich und beschäftigt sich mit vielen verschiedenen Begriffen, Orten, Veranstaltungen oder auch bekannten Personen (z. B. dem Blogger Danny Choo).

otaku encyclopedia

Darüber hinaus enthält das Buch einige kurze aber interessante Interviews mit Personen, welche in der Szene zu Hause sind. Unter anderem von:

  • Yamamoto Yutaka (山本 寛), dem Regisseur von The Melancholy of Haruhi Suzumiya (涼宮ハルヒの憂鬱 (Suzumiya Haruhi no Yūutsu)) oder Lucky Star (らき☆すた (Raki☆Suta)),
  • Okada Toshio (岡田斗司夫) Mitgebgründer des Animationsstudios GAINAX oder
  • der Sängerin, Tarento (タレント), Bloggerin, Idol (アイドル) und Zeichnerin Nakagawa Shōko (中川 翔子)

Meiner Einschätzung nach ist die im Kodansha Verlag erschienene Enzyklopädie ein literarisches MUSS für jeden, der sich für das Thema Otaku-Subkultur in Japan und seine Zusammenhänge ernsthaft interessiert.

Übrigens habe ich mein Exemplar für 2.100 円 (inkl. Steuer) in Roppongi (六本木) gekauft. ^_^

Akihabara

Zu meiner Überraschung und meiner Erheiterung hatte meine Aussage “Heute habe ich Akiba beim Aufwachen zugesehen.” bei einigen Leuten unerwartete Assoziationen hervorgerufen und die Frage, wer denn nun diese “Akiba” sei wurde mir ein paar mal gestellt. *lol*
Um das Missverständnis aufzuklären: Akiba (アキバ) ist nichts weiter als die verkürzte Form von Akihabara (秋葉原), einem der berühmtesten Stadtviertel Tokyos, welches auch als Akihabara Electric Town bzw. Akihabara Denki Gai (秋葉原電気街) bekannt ist.
Zuerst einmal trägt Akihabara diesen Beinamen zu Recht. In dem berühmten Elektronikviertel bekommt man alles, was mit Strom betrieben wird. Vom hochmodernen LCD Bildschirm bis zu einzelnen Transistoren. Besonders erwähnenswert ist hierbei Yodobashi-Akiba, welches zur Yodobashi Camera Co.,Ltd. (ヨドバシカメラ) gehört und im Frühling 2005 eröffnet wurde. Japans größter Elektronikmarkt ist einfach nur als GIGANTISCH zu bezeichnen. In 9 Stockwerken und auf insgesamt 23.800 Quadratmetern Verkaufsfläche findet man wirklich alles an elektronischen Gerätschaften, was man sich vorstellen kann.

Yodobashi-AkibaYodobashi-AkibaYodobashi-Akiba

Yodobashi-AkibaYodobashi-AkibaYodobashi-Akiba

1997 begann sich das Aussehen Akihabaras allerdings zu ändern. Immer mehr Manga- und Anime-Shops eröffneten und so ist Akihabara heute nicht nur ein Elektronikviertel sondern auch ein Mekka der Otaku- und Nerdkultur. Diese Entwicklung beruht wahrscheinlich hauptsächlich darauf, dass Otaku - aus offensichtlichen Gründen - in der Regel nicht mit Frauen zu Recht kommen. Und da Frauen traditionell wenig Interesse an technische Spielereien haben, lag die Idee nahe, ausgerechnet in Akihabara solche Geschäfte zu eröffnen. Inzwischen ist alles, was in der Szene Rang und Namen hat (Toranoana, Mandarake, Gamers, etc.) auch in Akihabara vertreten und andere Auswüchse dieser Subkultur haben in Akiba ihren Anfang genommen.
Zum Beispiel eröffnete 2001 das erste permanente Maid Cafe (メイドカフェ), d. h. ein Cafe, in dem man von Frauen bedient wird, welche wie französische Dienstmädchen angezogen sind. So, dass Otaku wenigstens ein bisschen Kontakt zum weiblichen Geschlecht haben. Man sei allerdings gewarnt. Zum einen ist der Spaß nicht gerade billig und alles kostet extra (z. B. pro Photo 500 円). Zum anderen stehen die wirklich hübschen Mädels in ihrem Kostüm auf der Straße um für das jeweilige Cafe zu werben.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Photos mit den wenigen Menschen und Autos sind morgens entstanden, als Akiba gerade aufgewacht ist. ^_^

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Comiket 76

Die Comiket ist der Ort, an dem Träume platzen und neue Talente entdeckt werden. So manch ein bekannter Zeichner hat seinen Anfang über selbst gezeichnete und auf der Comiket verkaufte Doujinshis begonnen. Und nicht selten werden diese Doujinshis später zum zehnfachen des Preises im Internet gehandelt. Auf der anderen Seite muss es furchtbar deprimierend sein nach 3 anstrengenden Tagen Comik Market nicht eines seiner Werke verkauft zu haben (was durchaus passieren kann).

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Durch die Comiket habe ich neben der Erkenntnis, dass man auch ohne Wasser baden kann, wenn man genügend schwitzt (ich konnte gar nicht so schnell trinken, wie ich dehydriert bin), vor allem das geduldige Warten in einer Reihe gelernt. Aber von Anfang an…

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Der Tag begann etwas verschlafen, da ich unerwarteterweise schlecht geschlafen habe. Und dementsprechend spät aufgestanden bin. Der Vorteil bestand allerdings darin, dass ich so Mittagessen und Frühstück kombinieren konnte. Ganz untypisch für mich habe ich das Klischee des doofen Touristen erfüllt und habe bei Kentucky Fried Chicken gegessen. Aber angesichts der Tatsache, dass ich in den kommenden Wochen wohl genug japanisches Essen bekomme und ich sonst nie da esse, war es vertretbar. Dafür ist das Abendessen mit Tempura wieder typisch japanisch ausgefallen.
Leider macht mir das Wetter noch etwas zu schaffen. Schuld ist die hohe Temperatur von 25 bis 30 Grad Celsius und die enorm hohe Luftfeuchtigkeit (bei einer Regenwahrscheinlichkeit von annähernd 0 Prozent). Gemerkt habe ich das, als ich von meinem Hotel zur Bank gegangen bin und anschließend essen. Der schnelle Wechsel kalt-warm-kalt-warm-kalt ist mir direkt auf den Kreislauf geschlagen, weshalb ich erst mal eine Weile bei KFC rumgesessen habe, bis es mir wieder besser ging.

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Danach habe ich mich um ca. 11.00 auf den Weg nach Odaiba gemacht. Bis nach Shimbachi vollkommen Ereignislos. Doch ab da galt es die Yurikamome Linie eines privaten Anbieters zu nutzen. Normalerweise kein Problem. Wäre nicht alles vollkommen überfüllt gewesen. So ging es also unter totaler Disziplin aller Beteiligten und dem wachen Augen der Sicherheitskräfte Stop-and-Go durch diesen Bahnhof. Durch Barrikaden wurde der Menschenwurm im Schneckentempo kreuz und quer durch das Gebäude geführt. Aber anders hätte die Menschenmasse gar nicht hinein gepasst und wahrscheinlich bis in den angrenzenden U-Bahnhof gestanden.
Ein Gutes hatte die Warterei allerdings. So habe ich Lilly, eine Australierin aus Sydney kennen gelernt. Wir Ausländer in Japan müssen schließlich zusammen halten. ^_^
Als wir dann endlich in der Bahn waren, war diese nicht minder beengend als der Bahnhof zuvor. Lilly ist schon an der Haltestelle Odaiba ausgestiegen um sich die große Gundam Statue anzuschauen (sie kannte die Comiket nicht und wunderte sich nur über die vielen Menschen *g*). Ich bin weiter bis zum Tokyo Big Sight Messegelände gefahren.

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Dort tummelten sich ebenfalls tausende von Menschen. Neben Ausstellern, Personal und Wachleuten, alle Arten (d. h. jeglichen Alters und Geschlechts) von Besuchern. Mal mehr, mal weniger ausgeflippt, doch allesamt so gesittet (niemand drängelt) und freundlich, wie man es von Japanern gewohnt ist. Leider waren Photos innerhalb des Messegeländes grundsätzlich nicht erlaubt. Dementsprechend habe ich eben mehr in der Cosplay Area gemacht.

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Gleich zu Beginn habe ich mir den Comiket Guide gekauft. Eine Art Almanach, in dem alles wissenswerte, bis hin zu jedem einzelnen Standort eines Standes verzeichnet ist. Bei mangelnden Japanischkenntnissen zwar so hilfreich wie ein Kropf. Aber immerhin der totale Beweis, dass ich da war. :) Schnell wurde mir das kiloschwere Ding zur Last und ich habe mir noch eine Comiket-Tüte zum Transport gekauft. Am Anfang dachte ich, ich mache irgendwas falsch. Da ich nichts gefunden habe, was mich wirklich interessiert hat. Aber bei 8 riesige Hallen (4 im Westen, 4 im Osten) war es wohl nur eine Frage der Zeit… so, dass ich Schlussendlich doch fette Beute und sogar richtige Schnäppchen gemacht habe, was mich zum Kauf einer weiteren Tüte (diesmal aus Stoff) veranlasste. Die Preise waren dabei relativ human. Zumindest, wenn man überlegt, was alles in Europa gekostet hätte. :-/

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Irgendwann merkt man bei seinem ersten Besuch des Comik Market, dass man einen großen Fehler gemacht hat, ohne ausreichende Ausrüstung gekommen zu sein. So erkennt man den erfahren Comiket Besucher sehr gut an seinen ganzen Hilfsmitteln und beginnt ihn zu beneiden. So hat er z. B. ein Handtuch umhängen, einen Rucksack oder Rollkoffer zum Transport seiner Einkäufe, einen detaillierten Plan wann er welchen Stand besucht, Cooling Gel Pads, etc.
Aber wo zur Hölle hatten die ganzen Leute ihre Fächer her? Während ich dem Hitzetod nahe und immer erschöpfter war?

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Beim Cosplay ist erlaubt, was gefällt. Dachte ich mir anfangs noch, dass die dritte Hatsune Miku mit Adamsapfel oder der 5. Kerl in Schulmädchenuniform doch zu viel des Guten sind, habe ich mich irgendwann daran gewöhnt. Aber trotzdem von Photos Abstand genommen. Die Photos, die ich gemacht habe sind selbstverständlich unter Einhaltung der Regeln entstanden, d. h. immer mit Einverständnis der abgebildeten Personen entstanden und ich habe mich auch jedes mal brav dafür bedankt. So irre die ganzen Cosplayer auch waren. Sie waren alle sehr nett und zuvorkommend.
So, wie eigentlich alle da. In Japan ist man nie wirklich alleine. Damit meine ich weniger die ganzen Menschen. Sondern, dass sich immer schnell Leute finden, welche sich bemühen und versuchen einem zu helfen. Auch, wenn es manchmal an der Verständigung hapert. Der gute Wille ist immer da und etwas, was in Deutschland doch sehr zu wünschen übrig lässt.

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Ich konnte einige interessante Beobachtungen machen. So schienen sich z. B. aus dem Nichts irgendwelche Warteschlangen zu bilden, ohne ersichtlichen Grund oder Ziel. Wie sehr das Schlange stehen - bei den vielen Menschen sicherlich ein notwendiges Übel - zur Natur der Japaner gehört kann man alleine darin sehen, dass immer jemand mit einem Schild oder eine Flagge bereit steht um das Ende einer Schlange zu markieren. Und Schlange gestanden wird oft. An begehrten Ständen darf sich immer nur die erste Reihe (2-4 Personen) Doujinshis durchblättern und ggf. kaufen. Der Rest muss geduldig warten.

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Ich war auch überrascht, wie viel Yaoi es gab. Im Doujinshi Bereich unzweifelhaft die am stärksten vertretene Gruppe, was sich dementsprechend auch in einem hohen Frauenanteil unter den Besuchern niederschlägt. Ich hätte eher auf einen anderen Bereich getippt, doch anscheinend wurde dieser bereits größtenteils kommerzialisiert.

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Bis 15.00 habe ich mich im Cosplay Area herumgetrieben und war entsetzt, als dann die ersten Stände bereits wieder zu gemacht haben. Schnell habe ich begonnen die mir noch fehlenden Hallen abzuklappern und hätte fast 3+4 auf der Westseite vergessen. Denn um 16.00 wurde geklatscht (wahrscheinlich aus Freude, dass man es überlebt hat) und die meisten Stände waren eingepackt.
Nun bildeten sich neue Schlangen. Diesmal an Ausstellern, welche darauf warteten, dass sie ihre nicht verkaufte Ware wieder mit nach Hause nehmen durften. Aber in Japan muss auch solch ein Ausrücken geplant und koordiniert und somit im Pulk geschehen.
In dem glauben alles sei vorbei schlenderte ich gen Ausgang, bis mir einfiel, dass ich 2 Hallen noch nicht gesehen habe. Und das war gut so. Denn in diesen steppte noch bis 17.00 der Bär (dann wurde auch dort geklatscht und alles war eingepackt). Und sie erwiesen sich - im Gegensatz mit den ganzen hallen voller Doujinshis - als absolutes Mekka eines jeden Otaku. Dort wurde alles (in der Regel weiblich und sehr knapp bis gar nicht bekleidet), von Bilder-CDs, Soundtracks und DVDs, über Schlüsselanhaenger, Videospiele und Plüschfiguren, bis hin zu Mauspads mit Brüsten, Kissen und Bettbezügen (ja, mit Mädels drauf) verkauft.
Als auch dort die Segel gestrichen wurden habe ich mich mit vollem Gepäck (4 Tüten) Richtung Bahnhof begeben. Doch nach kaum 10 Metern hat die Anfangs gekaufte Comiket Tüte den Geist aufgegeben, weshalb ich alles (neben jeder Menge Doujinshis auch ein T-Shirt und eine Kaffeetasse) in die anderen Tüten umpacken musste. Schwer beladen schleppte ich mich also zur Bahn.

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Und was folgte? Wer hätte es gedacht… Schlange stehen. Das Nahverkehrsnetz war total überlastet und so endete alles, wie es angefangen hatte. Nur, dass der Zug diesmal noch voller wurde. Eigentlich wollte ich ja bei Odaiba aussteigen um mir den großen Gundam anzuschauen. Aber als ich erlebt habe, wie sich immer mehr Menschen in den Zug quetschten, bis an den Folgenden Stationen niemand mehr zusteigen konnte (Zugquetscher wie in Shinjuku gab es nicht), habe ich es mir anders überlegt. Ohnehin taten mir die Füße weh und ich hatte Hunger. Also bin ich bis zur Endstation gefahren. Beim Aussteigen spürte ich allerdings jeden einzelnen Muskel… Klimaanlagen… Segen und Fluch zu gleich. -.-
Nach der U-Bahnfahrt nach Asakusa bin ich zurück ins Hotel, habe mich erst einmal eine Stunde hin gelegt, geduscht, umgezogen und bin gemütlich essen gegangen: Tempura, wie bereits geschrieben.

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Mein Fazit: Muss man erlebt haben! Klar ist es anstrengend. Aber man muss einfach einmal da gewesen sein um mitreden zu können. Ist so ähnlich wie mit dem Oktoberfest in München und ich kann es jedem, der die Gelegenheit dazu hat, nur empfehlen.

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Das war es mal wieder fürs erste. Ich gehe jetzt (22:53 Ortszeit Tokyo) ins Bett, denn morgen checke ich um 10.00 aus dem Hotel aus und treffe mich anschließend mit meiner Gastfamilie. Gute Nacht miteinander :)

Otaku

Es ist schon krank, welches Ausmaß das Otakutum in Japan mitunter annehmen kann. Was auch der Grund ist, weshalb ich Leute, welche das Wort unbedacht verwenden immer etwas belächeln muss. Natürlich gilt im Westen die Assoziation, dass ein Otaku im Allgemeinen ein Anime- und Manga-Fan ist. Nicht jedoch in Japan. Vergleich wie Freak und Nerd sind dann durchaus angebracht, eben wegen solcher Negativbeispiele wie oben verlinkt.