Jedem das Seine
Es ist nur wieder als Armutszeugnis zu bezeichnen, dass Esso und Tchibo eine Werbekampagne mit dem Slogan “Jedem den Seinen” stoppen. Hintergrund ist die Ähnlichkeit mit den Worten “Jedem das Seine”, welche unter anderem auf dem Tor des Konzentrationslagers Buchenwald prangern.
Einen ähnlichen Fall gab es bereits 1998, als die Firma Nokia nach Protesten durch das American Jewish Committee “Jedem das Seine” auf ihren Werbeplakaten mit Shakespeares Worten “Was ihr wollt” überkleben lies.
Im Gegensatz zu anderen Worten und Phrasen aus der zeit des Dritten Reichs, welche von den Nationalsozialisten erfunden und geprägt wurden hat “Jedem das Seine” eine wesentlich längere Geschichte. Und ich für meinen Teil halte es für unakzeptabel, mir solche Sätze oder Ausdrücke der deutschen Sprache von den Nationalsozialisten “stehlen” zu lassen, nur weil diese sie missbraucht und pervertiert haben.
Zurückzuführen ist “Jedem das Seine” bzw. das lateinische “Suum cuique” ist auf das antike Griechenland. In der Politeia stellte Platon fest, dass Gerechtigkeit besteht, “wenn man das Seine tut und nicht vielerlei Dinge treibt”. Jeder soll das Seine (für die Gemeinschaft, den Staat) tun, und zwar in Art und Umfang so, wie es seinem Wesen, seinen Möglichkeiten und den individuellen Umständen entspricht. Ergänzend erklärte Platon, dass auch jeder das Seine bekommen soll und dass niemandem das Seine genommen werden soll.
Dies wurde später vom römischen Politiker Marcus Tullius Cicero aufgegriffen und erhielt damit einen politischen und juristischen Sinn. Und auch in der Corpus iuris civilis des oströmischen Kaisers Justinian I. fand diese Phrase Verwendung.
Im 18. Jahrhundert war “Suum cuique” Leitspruch von Friedrich dem Großen und wird auch heute noch von den Feldjägern der Bundeswehr benutzt.
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