Torii von Itsukushima - Insel Miyajima

Tokio

15.08.07

Von ihren Eltern schlecht behandelt und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen hat es die Geschichtsstudentin Grey schon immer schwer gehabt, sich in der Welt zurecht zu finden. Hinzu kommt, dass ihr niemand glauben schenkt, wenn es um die ihr bekannten Ereignisse in Nanking geht. Schon immer hielt diese jeder nur für Hirngespinste eines kranken, verwirrten Mädchen. Denn was sie weiß ist an Grausamkeit kaum vorstellbar.
Als sie nun erfahren hat, dass ein chinesische Professor mit einem Lehrstuhl an der Universität von Tokyo (東京大学) einen Film besitzen soll, welcher ihre Behauptungen stützt, macht sie sich überstürzt auf den Weg. Doch dieser verweigert ihr die Hilfe. Leugnet sogar, dass es einen Film geben soll.
Verwirrt, einsam und mittellos beginnt Grey, welche die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat in einem Nachtclub als Hostess zu arbeiten. Dort lernt sie unter anderem den gefährlichsten und mächtigsten Mann der Tokyoter Unterwelt kennen, den ein dunkles Geheimnis umgibt. Dieses zu lüften wird schließlich Greys einziger Hoffnungsschimmer um die Geschehnisse in Nanking zu beweisen und ihre eigene Vergangenheit aufzuarbeiten.

TokioEin Psycho-Triller, wie ich ihn schon lange nicht mehr gelesen habe. Am Anfang etwas langatmig, wird er gegen Ende erst richtig interessant und außerordentlich spannend. Das Wort “Freak” wird in dem Buch mehrfach gebraucht und trifft auf die meisten, teilweise leider zu stark überzeichneten, Charaktere durchaus zu.
Doch der wahre Schrecken liegt am Ende weniger in den Erzählkünsten von Mo Hayder sondern in der Tatsache, dass das Buch auf wahren, geschichtlichen Gegebenheiten und Ereignissen im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg (日中戦争) in den Jahren 1937 bis 1945 basiert. Nach dem Sieg der Kaiserlichen Japanische Armee (大日本帝國陸軍) in Shanghai, erreichten die Kampfhandlungen am 8. Dezember 1937 Nanking (heute Nanjing), die damalige Hauptstadt der Republik China. Nachdem die chinesischen Truppen die Stadt am 12. Dezember 1937 aufgegeben hatten wurde diese von den japanischen Streitkräften besetzt. Was folgte ist heute als das Massaker von Nanking (南京大虐殺) bekannt. Bis heute ist unklar, was die Kaiserliche Japanische Armee, welche eine der diszipliniertesten der Welt war, zu solchen Gräueltaten veranlasst hat.

Tokio ist das erste Buch von Mo Hayder, welches ich gelesen habe. Am Anfang etwas schwach, fand ich es am Ende sehr gut und kann es jedem, dessen Schmerzgrenze bei blutigen, teils ekligen Bildern groß genug ist, nur ans Herz legen.