Torii von Itsukushima - Insel Miyajima

Berlin

27.06.08

Ganz pauschal auf den Punkt gebracht könnte man sagen, ich mag Berlin nicht. Und das hat viele Gründe. So ist mir die Notwendigkeit eines Umzuges der Bundesregierung von Bonn nach Berlin immernoch ein Rätsel. Okay, selbst Altbundeskanzler Hemut Schmidt hat über Bonn gesagt: “Als deutsche Hauptstadt ein trauriger Witz, aber Realität.” Aber wenn es den Politikern in Bonn zu provinziell war, warum ausgerechnet ein Umzug nach Berlin? Warum nicht nach Hamburg oder München?

Klaus Wowereit sagt über Berlin: “Berlin ist arm, aber sexy.”
Was ist denn bitte an Armut und einem maroden Haushalt sexy? Eine Stadt, die sich mit Metropolen wie New York, London oder Paris vergleichen möchte versinkt in den Schulden, bekommt ihre Geldprobleme nicht in den Griff, feiert trotzdem eine Party nach der anderen und versucht dann (zum Glück vergeblich) den Bund zur Zahlung der Schulden zu treiben. Und wenn es dann mal wirklich einmalige, internationale Großveranstaltungen gibt (Stichwort: Loveparade), dann ist man doch wieder so provinziell und ekelt diese aus der Stadt. Das da etwas gewaltig zum Himmel stinkt - in Berlin - hatte breits 1908 Frank Wedekind erkannt: “Berlin ist eben keine Stadt, sondern ein trauriger Notbehelf, Berlin ist ein Conglomerat von Kalamitäten.”

Die Brandenburger hatten schon recht, als sie 1996 bei dem Volksentscheid gegen eine Zusammenlegung der beiden Bundesländer zu einem “Berlin-Brandenburg” votiert haben. Das einleuchtendste Argument war damals, dass sich sonst in Zukunft alles nurnoch in Berlin abspielen und das Umland vernachlässigt werden würde. Was auch passiert wäre, wie man immernoch sieht.
Seit der Wiedervereinigung herrscht ein unglaublicher Berlin-Hype der zu einer enormen zentralisierung führt. Warum sind so viele Fernsesender von Köln nach Berlin umgezogen? Warum musste die Deutsche Bahn ihre Zentrale 1997 nach Berlin verlegen? Und warum konnte der Bundesnachrichtendienst nicht einfach nur in Pullach bleiben? Hat jeder Angst etwas zu verpassen, wenn er nicht in Berlin ist? Dabei wird das große Geld innerhalb Deutschlands immernoch woanders, nur nicht in Berlin verdient. Und Deutschland ist rund 60 Jahre sehr gut ohne Berlin als Hauptstadt ausgekommen.
Der neuste Auswuchs dieses Wahns ist, dass der Deutsche Fußball-Bund beschlossen hat, dass die Deutsche Nationalmannschaft nach der Europameisterschaft mit ihren Fans in Berlin feiert. Ein Novum, da die Deutsche Elf bis dato traditionell auf dem Frankfurter Römerberg - wie etwa 2002 nach dem Weltmeisterschaftsfinale von Yokohama gegen Brasilien - bejubelt wurde.

Was viele Berliner anbelangt, so ist die Kombination aus einem arroganten “Wir sind Hauptsadt”-Stolz in Verbindung mit einem Horizont von 900 km² eine furchbare Mischung. Es wird wohl noch etwas dauern, bis auch der letzte bemerkt hat, dass der Zug Berlin bereits abgefahren ist. Denn wie Uwe Göllner bereits richtig erkannt hat: “Die europäische Geschichte läuft gegen Berlin. Die POLITISCHE MUSIK DER ZUKUNFT spielt in Brüssel.”

Netter Versuch

25.06.08

Ich schaue gerade das - immer wieder durch Störungen unterbrochene - Trauerspiel der Deutschen Fußballnationalmannschaft gegen die Türkei (ja, wir haben gewonnen. Aber spielerisch war es furchbar und ganz sicher kein Grund für Autokorsos oder zum Böllern -.-), da bekomme ich eine E-Mail von O2, in der mir freundlich mitgeteilt wird, dass meine aktuelle Rechnung nun online verfügbar wäre. Ein Blick in mein Online-Kundenkonto beweist, dass dem wirklich so ist.
Das Problem ist nur, dass ich nie auf Online-Rechnung umgestellt habe. Dazu fühle ich mich dem Papier einfach zu sehr verbunden und bin außerdem der Meinung, dass ein Unternehmen dieser Größe durchaus die paar Cent für Tonerfarbe, Papier und Briefmarke investieren kann, um mir die Rechnung per Post zuzuschicken.
Ein Anruf bei O2 offenbart, dass ich angeblich angeschrieben und darauf hingewiesen wurde, dass O2 meine Rechnung gerne auf Online-Rechnung umstellen würde und ich mich melden solle, wenn ich dies nicht wünsche. Zum einen habe ich eine solche Mitteilung nie erhalten und zum anderen finde ich es ziemlich dreist, dass man als Kunde nun dazu gezwungen wird sich zu melden, wenn man etwas nicht haben möchte. Als wenn Schweigen automatisch Zustimmung bedeuten würde.
Bei dem Telefonat wurde mir versichert, dass die Rechnung wieder auf Papierrechnung umgestellt wird und mir die letzte Rechnung nachträglich zugesandt wird. Bleibt zu hoffen, dass das nun auch passiert. Wirklich netter Versuch, O2…

European Football Championship 2008

21.06.08

European Football Championship 2008
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Fußball

17.06.08

“Football is a simple game; 22 men chase a ball for 90 minutes and at the end, the Germans always win.”

– Gary Lineker, englischer Fußballspieler

Deutschland. Ein Herbstmärchen

30.09.07

2002 reichte es für die deutsche Fußballnationalmannschaft nur zum Titel des Vizeweltmeisters. 2006 bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land wurde es sogar nur der dritte Platz.

Doch sowohl 2003 als auch heute wurde Deutschland trotzdem Weltmeister. Dank seiner deutsche Fußballnationalmannfrauschaft. Wenn man sich die Ergebnisse ansieht fragt man sich jedoch, warum Frauenfußball im Vergleich zu seinem ihrem männlichen Gegenstück immernoch weniger Beachtung und Anerkennung erhält. Dabei sind unsere Damen offensichtlich erfolgreicher.

Wir sind Weltmeister!

04.02.07

Ich hätte nicht gedacht zu erleben, dass in Deutschland eine anderen Sportart Fußball den Rang ablaufen kann. Doch genau dies ist Handball in den letzten Tagen durch die Weltmeisterschaft im eigenen Land gelungen. Auch ich wurde mitgerissen, wo mich bisher rein garnichts mit diesem Sport verbunden hatte.

Das Endspiel gegen Polen war anders, als ich es erwartet hatte. Nachdem Deutschland gleich zu Beginn einen Vorsprung herausgearbeitet hatte und auch bis zum Ende der ersten Halbzeit verteidigte (17:13) schmolz dieser in der zweiten Halbzeit, nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Torwart Henning Fritz, fast auf ein Unentschieden zusammen. Bis sich die Mannschaft wieder aufrappelte um am Ende mit 29:24 zu gewinnen und damit den dritten Weltmeistertitel für Deutschland zu holen.\r\nDas Spiel der Polnischen Mannschaft war gut. Aber nicht so gut, wie ich es nach der Leistung, wie sie sie im Verlauf des Turniers gezeigt hatten, erwartet hätte. Deshalb denke ich, dass man durchaus von einem verdienten Sieg sprechen kann.

So sind wir also doch noch Weltmeister geworden. Auch ohne Fußball!
Und ich weiss auch endlich, was das Maskottchen - Hanniball - darstellen soll. Es ist ein “Hörnchen” und kein Biber. ;-)

Hanniball

Auf (Nimmer)Wiedersehen Zinédine Zidane

09.07.06

Auch, wenn viele der Meinung sind, Zidane sei der größte aktive Fußballer Europas, vielleicht sogar der ganzen Welt, trauere ich ihm keine Träne nach. Mit dem miesen Foul gegen Marco Materazzi im Endspiel der WM2006 hat er bei mir sämtliche Sympathien verspielt und weder sich, noch seiner Mannschaft, welche nun mit einem Mann weniger auskommen muss, einen gefallen getan.
Egal, was Materezzi zu Zidane gesagt haben könnte, solche tätlichen Angriffe haben auf dem Spielfeld nichts verloren und solche Spieler sind in keiner Weise tragbar.

Aus ist’s

05.07.06

Nun ist es vorbei. Der Traum vom Weltmeistertitel für die Deutsche Nationalelf ist ausgeträumt. Maximal kann es noch zum 3. Platz dieses Turniers reichen. Leider habe ich die Vermutung, dass die Mannschaft und der Trainerstaab nun wieder schlechtgeredet werden, ohne dass darüber nachgedacht wird, wie weit diese es eigentlich geschafft haben. Selbst wenn wir den 3. oder 4. Platz machen zeigt das noch, dass unsere Fußballer zur Weltspitze gehören und weiter gekommen sind, als Mannschaften, wie Brasilien, Argentinien oder England.
Die beiden Mannschaften, Italien und Deutschland waren sehr lange gleich stark. Das Spiel wurde meiner Meinung nach, bis zur Verlängerung, von der deutschen Mannschaft dominiert, da die Italiener sehr defensiv spielten. In der Verlängerung gelang es ihnen jedoch, den Spieß umzudrehen. Sie spielten wesentlich aggressiver und legten ein besseres Spiel an den Tag, als die deutsche Mannschaft. Dies führte zu mehr und besseren Torchancen, welche im Endeffekt im 1:0 gegen Deutschland gipfelten. Da nurnoch ca. 2 Minuten zu spielen waren, vernachlässigten die Deutschen ihre Verteidigung und warfen alles in den Sturm, was das 2:0 durch Italien begünstigte. Ich würde also sagen, dass Italien verdient gewonnen hat.
Mein persönlicher Favorit auf den Titel ist nun übrigens Portugal.

Bundesrepublik Fußball

01.07.06

Fußball ist allgegenwertig. Nach dem Sieg über Argentinien mehr als jemals zuvor. Ich für meinen Teil muss zugeben, dass mich der Fußball-Virus ebenfalls erwischt hat. Ich interessiere mich zwar immernoch nicht für UEFA-Cup oder DFB-Pokal, geschweigeigedenn für irgendwelche Ligaergebnisse. Allerdings muss ich sagen, dass ich bisher noch nie so mit einer Deutschen Manschaft mitgefiebert habe, wie bei dieser WM. Sicherlich ist ein Grund dafür, dass die Weltmeisterschaft im eigenen Land ist. Ich hätte nicht gedacht, dass die WM dazu beitragen kann, die Grundstimmung der Bevölkerung so massiv zu beeinflussen und alle Probleme und politischen Aktivitäten in den Hintergrund rücken zu lassen. Allerdings stellt sich mir die Frage, was nach der WM ist? Wird das Land wieder in seinen pessimistischen Urzustand zurückversetzt? Und was ist, wenn Deutschland im Halbfinale gegen Italien verliert? Werden wir dann noch tiefer in der Melancholie versinken? Wir werden es wohl erst sehen, wenn es soweit ist.

Fußball (nebst Abart und Ausartung)

29.05.06

“Der Fußballwahn ist eine Krank-
heit, aber selten, Gott sei Dank!
Ich kenne wen, der litt akut
an Fußballwahn und Fußballwut.
Sowie er einen Gegenstand
in Kugelform und ähnlich fand,
so trat er zu und stieß mit Kraft
ihn in die bunte Nachbarschaft.
Ob es ein Schwalbennest, ein Tiegel,
ein Käse, Globus oder Igel,
ein Krug, ein Schmuckwerk am Altar,
ein Kegelball, ein Kissen war,
und wem der Gegenstand gehörte,
das war etwas, was ihn nicht störte.
Bald trieb er eine Schweineblase,
bald steife Hüte durch die Straße.
Dann wieder mit geübtem Schwung
stieß er den Fuß in Pferdedung.
Mit Schwamm und Seife trieb er Sport.
Die Lampenkuppel brach sofort.
Das Nachtgeschirr flog zielbewußt
der Tante Berta an die Brust.
Kein Abwehrmittel wollte nützen,
nicht Stacheldraht in Stiefelspitzen,
noch Puffer, außen angebracht.
Er siegte immer, 0 zu 8,
und übte weiter frisch, fromm, frei
mit Totenkopf und Straußenei.
Erschreckt durch seine wilden Stöße,
gab man ihm nie Kartoffelklöße.
Selbst vor dem Podex und den Brüsten
der Frau ergriff ihn ein Gelüsten,
was er jedoch als Mann von Stand
aus Höflichkeit meist überwand.
Dagegen gab ein Schwartenmagen
dem Fleischer Anlaß zum Verklagen.
Was beim Gemüsemarkt geschah,
kommt einer Schlacht bei Leipzig nah.
Da schwirrten Äpfel, Apfelsinen
durch Publikum wie wilde Bienen.
Da sah man Blutorangen, Zwetschen
an blassen Wangen sich zerquetschen.
Das Eigelb überzog die Leiber,
ein Fischkorb platzte zwischen Weiber.
Kartoffeln spritzten und Zitronen.
Man duckte sich vor den Melonen.
Dem Krautkopf folgten Kürbisschüsse.
Dann donnerten die Kokosnüsse.
Genug! Als alles dies getan,
griff unser Held zum Größenwahn.
Schon schäkernd mit der U-Boots-Mine,
besann er sich auf die Lawine.
Doch als pompöser Fußballstößer
Fand er die Erde noch viel größer.
Er rang mit mancherlei Problemen.
Zunächst: Wie soll man Anlauf nehmen?
Dann schiffte er von dem Balkon
sich ein in einen Luftballon.
Und blieb von da an in der Luft,
verschollen. Hat sich selbst verpufft. -
Ich warne euch, ihr Brüder Jahns,
vor dem Gebrauch des Fußballwahns!”

– Joachim Ringelnatz