Torii von Itsukushima - Insel Miyajima

Die Entscheidung der Iren gegen die EU

14.06.08

Leider habe viele Bürger der Europäischen Union eine abneigung gegen diese. Die Gründe sind meistens immer die selben: Verlust der nationalen Selbstbestimmung, Zahlungen an die EU, verwirrende und unlogische Gesetzgebung, etc…
Leider vergessen diese Leute, was die Europäische Idee dem Kontinent bisher gebracht hat. Nämlich eine bisher nie erreichte Periode des Friedens und vielerlei Erleichterungen (z. B. freier Personen-, Wahren- und Devisenverkehr), welche wir heute als selbstverständlich betrachten ohne zu hinterfragen, wie es eigentlich dazu gekommen ist.

Ich bin davon Überzeugt, dass der Vertrag von Lissabon auch in den meisten anderen Ländern abgelehnt worden wäre. Was die Entscheidung der Iren für den Rest von Europa so bitter macht ist jedoch die Tatsache, dass Irland wie kein anderes Land von der Europäischen Union und vor allem von deren Wirtschaftshilfe provitiert hat. So sind bis heute rund 55 Milliarden Euro nach Irland geflossen. Mit Erfolg, wie ein Vergleich zum Rest Europas und Deutschland, dem ehemaligen Wirtschaftswunderland, zeigt. Von 1994 bis 2004 steigerte Irland seine Wirtschaftsleistung mit ca. 6% Wachstum pro Jahr um 86%. Der Rest von Europa nahm das reale Bruttoinlandsprodukt nur um 25% und in Deutschland sogar nur um 6% zu. Heute ist Irlands BIP pro Einwohner höher als das Deutschlands.

Das Problem bei solchen Volkentscheiden ist leider, dass diese fast nie die Entscheidung zur eigentlichen Sache repräsentieren. Die meisten, die im Falle des Vertrages von Lissabon für nein gestimmt haben werden diesen wahrscheinlich nicht einmal gelesen haben und wissen nur ansatzweise worum es in diesem überhaupt geht. Nämlich darum die (vergrößerte) EU als ganzes handlungsfähiger zu gestalten und auf eine solide Basis zu stellen. Etwas, wovon im Endeffekt alle Länder und Bürger provitieren würden.

Es ist abzuwarten, wie die europäische Politik auf das irische nein reagiert und ob versucht wird dieses für den Rest Europas irgendwie zu umgehen. Dabei bleibt nur zu hoffen, dass wir nicht in ein 2-Klassen-Europa der Befürworter und der Skeptiker abrutschen.

Nachtrag: Nach einiger Überlegung bin ich zu dem Schluß gekommen, dass wir bereits ein 2-Klassen-Europa haben. Man beachte einfach, welche Länder zur Eurozone gehören und welche trotz EU-Mitgliedschaft nicht dem Schengenraum angehören. Eine wirklich traurige Entwicklung…