Torii von Itsukushima - Insel Miyajima

Darum nerven Japaner

27.11.07

Der Autor dieses Buches - Christop Neumann - ist Deutscher, der seit Jahren in Japan lebt. Er hat dieses Land kennen und lieben gelernt. Aber wie immer ist auch in Japan nicht alles Gold, was glänzt. Die Japaner sind ein (für den Rest der Welt) merkwürdiges Volk. Das sehen sogar die Japaner selbst so. Und dieses Buch beweist es sogar dem letzten Zweifler.
Es erklärt, warum die Pille in Japan bis 1999 verboten war und auch heute mehr abgetrieben statt verhütet wird. Es geht auf den alltäglichen Wahnsinn ein, dem sich die millionen Pendler in Tokyo jeden Tag aussetzen, wie das japanische Balz- und Paarungsverhalten abläuft oder warum die Yakuza die etablierteste Verberecherorganisation der Welt ist. Diese und noch sehr viel mehr Eigenarten der japanischen Kultur und Gesellschaft werden dem Leser auf sehr amüsante Art und Weise näher gebracht. Somit hat Christoph Neumann mit diesem Buch eine sehr lustige Kritik an den skurilen Wirren des japanischen Alltags und japanischer Verhaltensweisen geschaffen, welches auch in Japan erfolgreich war.
Dort ist das Buch nämlich 2001 unter dem Titel Iketenai-nippon - Nihonjin-no honto-no tokoro erschienen und damit eines der wenigen japankritischen Werke, welches auch in Japan selbst veröffentlicht wurde. Der Erfolgt beweist, dass die Japaner auch über sich selbst lachen und nachdenken können. Wir Europäer also keine Scham haben sollten, dies ebenfalls zu tun. Denn es gilt…

“Natürlich dürfen Japaner nerven, aber man muss sich auch über sie aufregen dürfen!”

– Christoph Neumann

Darum nerven Japaner

Tokio

15.08.07

Von ihren Eltern schlecht behandelt und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen hat es die Geschichtsstudentin Grey schon immer schwer gehabt, sich in der Welt zurecht zu finden. Hinzu kommt, dass ihr niemand glauben schenkt, wenn es um die ihr bekannten Ereignisse in Nanking geht. Schon immer hielt diese jeder nur für Hirngespinste eines kranken, verwirrten Mädchen. Denn was sie weiß ist an Grausamkeit kaum vorstellbar.
Als sie nun erfahren hat, dass ein chinesische Professor mit einem Lehrstuhl an der Universität von Tokyo (東京大学) einen Film besitzen soll, welcher ihre Behauptungen stützt, macht sie sich überstürzt auf den Weg. Doch dieser verweigert ihr die Hilfe. Leugnet sogar, dass es einen Film geben soll.
Verwirrt, einsam und mittellos beginnt Grey, welche die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat in einem Nachtclub als Hostess zu arbeiten. Dort lernt sie unter anderem den gefährlichsten und mächtigsten Mann der Tokyoter Unterwelt kennen, den ein dunkles Geheimnis umgibt. Dieses zu lüften wird schließlich Greys einziger Hoffnungsschimmer um die Geschehnisse in Nanking zu beweisen und ihre eigene Vergangenheit aufzuarbeiten.

TokioEin Psycho-Triller, wie ich ihn schon lange nicht mehr gelesen habe. Am Anfang etwas langatmig, wird er gegen Ende erst richtig interessant und außerordentlich spannend. Das Wort “Freak” wird in dem Buch mehrfach gebraucht und trifft auf die meisten, teilweise leider zu stark überzeichneten, Charaktere durchaus zu.
Doch der wahre Schrecken liegt am Ende weniger in den Erzählkünsten von Mo Hayder sondern in der Tatsache, dass das Buch auf wahren, geschichtlichen Gegebenheiten und Ereignissen im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg (日中戦争) in den Jahren 1937 bis 1945 basiert. Nach dem Sieg der Kaiserlichen Japanische Armee (大日本帝國陸軍) in Shanghai, erreichten die Kampfhandlungen am 8. Dezember 1937 Nanking (heute Nanjing), die damalige Hauptstadt der Republik China. Nachdem die chinesischen Truppen die Stadt am 12. Dezember 1937 aufgegeben hatten wurde diese von den japanischen Streitkräften besetzt. Was folgte ist heute als das Massaker von Nanking (南京大虐殺) bekannt. Bis heute ist unklar, was die Kaiserliche Japanische Armee, welche eine der diszipliniertesten der Welt war, zu solchen Gräueltaten veranlasst hat.

Tokio ist das erste Buch von Mo Hayder, welches ich gelesen habe. Am Anfang etwas schwach, fand ich es am Ende sehr gut und kann es jedem, dessen Schmerzgrenze bei blutigen, teils ekligen Bildern groß genug ist, nur ans Herz legen.

Die frühe Foundation-Trilogie

18.03.07

Das Buch ist eine Zusammenstellung dreier älterer Geschichten Asimovs, welche in den 50er Jahren vor der eigentlichen Foundation-Trilogie verfasst wurden. Nach unserem heutigen Wissensstand betrachtet weisen alle Geschichten kleine Mängel auf (z. B. das Unterschätzen schwachradioaktiver Strahlung auf den menschlichen Organismus), für die sich Asimov im jeweiligen Nachwort entschuldigt. Diese Fehler beruhen im Endeffekt nur auf dem Alter der Verfassung und dem damals noch nicht so weit fortgeschrittenen Wissensstand. Allerdings dürfte es niemandem schwer fallen diese zu ignorieren und auf den eigentlichen Kern der jeweiligen Erzählung zu achten. Denn die gesellschaftskritischen Aussagen haben auch heute nicht an ihrer Aktualität verloren. Dabei wurde jede Story mir einer kleinen Liebesgeschichte versehen, welche sich aber dezent im Hintergrund hält.

Die frühe Foundation-TrilogieEin Sandkorn am Himmel
Ein Mann schlendert, nichts ahnend duch den Park. Doch als sich am anderen Ende der Stadt, in einer Forschungseinrichtung, ein Unfall ereignet, wird sein Leben für immer verändert. Er findet sich an einem für ihn völlig unbekannten Ort wieder. So versucht er sich in einer Welt, in der nichts so ist, wie er es kannte und in der er sich nicht verständigen kann, zurecht zu finden.
Bis er schließlich herausfindet, dass er sich immernoch auf der Erde befindet. Diese ist jedoch größtenteils radioaktiv verstrahlt und unbewohnbar geworden. Hinzu kommt, dass die Erde nun Teil eines intergalaktischen Imperiums ist, von diesem aber verachtet und als hinterwäldlerisch eingestuft wird. Aus diesem Klima von Erniedrigung, Angst und Hass hat sich die Bruderschaft entwickelt. Eine radikale, religiöse Sekte, welche die Regierung manipuliert.
Nur ein junger, aufstrebender Archäologe schickt sich an, den Vorurteilen die die restliche Galaxis gegenüber der Erde hat, keine Beachtung zu schenken. Er stellt sogar die, unter Kollegen meist belächelte Behauptung auf, die Erde könnte die “Wiege der Menscheit” sein.

Die Erzählung zeigt, wie irrational Menschen, welche immer verachtet wurden, werden können und zu welch extremen Mitteln diese dann mitunter greifen. Leider hat die Menschheit in ihrer Geschichte schon zu oft bewiesen, wie rassistisch sie sein kann und immer wieder andere Hautfarben, Religionen oder Abstammungen als Minderwertig betrachtet. Und immer war es nur eine kleine Minderheit die sich gegen die allgemeine Strömung gestellt und “die Anderen” vorurteilsfrei behandelt hat.

Sterne wie Staub
Biron Farrill, Sohn eines Gutsherren und Student auf der Erde, entgeht nur knapp einem Mordanschlag. Als wäre das nicht schon genug muss er auch noch feststellen, dass sein Vater als Verräter hingerichtet wurde. Kurzentschlossen verlässt er die Erde und macht er sich auf den Weg in sein Heimatsystem. Dieses wurde bereits vor Jahren von den Tyranni unterworfen. Und die letzten “freien” Planeten sind nicht mehr als Vasallen, welche nurnoch zum Schein eine autonome Regierung haben.
Bei dem Versuch, den Ruf seines Vaters wieder herzustellen erfährt Biron von einer Rebellenwelt, welche im Verborgenen existieren soll, um sich irgendwann gegen das Joch der Tyranni aufzulehnen. So begibt er sich auf die Suche nach dieser. Dich gefolgt von seinen Verfolgern.

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Nur so viel, dass in dieser Geschichte vieles nicht so ist, wie es auf den ersten Blick vielleicht scheinen mag.

Ströme im All
Sark ist einer der reichsten Planeten überhaupt. Der Grund dafür ist Kyrt, das wohl einzigartigste Material der Galaxis. Die Kyrt-Pflanze wächst und gedeiht jedoch nur auf Florina, einem Planeten, den die Sarkiten bereits vor Jahren erobert und die Bewohner versklavt haben. Diese fristen nun ein Dasein als Kyrt-Bauern, Sklaven und Beamte, im Dienste der Sarkiten.

Bei dieser Geschichte war ich sehr an die Apartheid erinnert. Eine Minderheit nutzt eine Mehrheit aus und bedient sich dabei einfachen Mitteln wie einem Polizeistaat, Einschüchterung und mangelnde Bildung. Nur einige wenige werden weiter ausgebildet um dann in einen höheren Dienst als Verwaltungsbeamte aufzusteigen. Aber genau das ist auch die größte Schwäche dieses Systems. Denn die Verwaltung des selbigen liegt auf den Schultern derer, welche von ihm ausgebeutet werden. Die kleinen Beamten, denen die “leitende Schicht” keine Beachtung schenkt, da sie einzeln nicht dazu in der Lage sind, irgendetwas zu verändern. Aber genau dies kann dann dazu führen, dass sich das System gegen diejenigen stellt, welche meinen es zu kontrollieren.